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Posts Tagged ‘Glücksrad’

Was ist das? Der Mond, die Hormone, das Chakra (ein Witz natürlich), ich weiss nicht, warum ich von heute auf morgen so von 100 auf 0 fallen kann. Heute hat mich mal wieder aller Mut verlassen. Ich sitze wie ein erschrecktes Kaninchen in der Landschaft, wie ein Tier, das plötzlich vom Scheinwerferlicht geblendet wird und sich nicht von der Stelle bewegen kann. Ich fühle mich ausgeliefert, machtlos, nein, ohnmächtig, Macht hatte ich nie, gottseidank. Wie mag sich einer fühlen, der die Macht hat, ein Leben zu zerstören? Wahrscheinlich ist es ihm wurscht. Menschen in so einer Position neigen scheinbar dazu, die von ihnen abhängigen als Schachfiguren zu betrachten, Figuren, die man auf dem eigenen Spielfeld zieht, und ein Bauernopfer ist da ein probates Mittel um zum Ziel zu gelangen.

Ich bin ausgeliefert, ein Spielball, ein Rechtsfall vielleicht noch, doch Justitia ist bekanntlich blind. Ohne Ansehen der Person soll sie urteilen. Es spielt also keine Rolle, ob ich mit einem wohlverdienendem Mann verheiratet bin, und sagen könnte, schade, schlecht gelaufen, aber sonst passiert mir nichts, oder ob ich völlig auf mich allein gestellt bin und für mich meine Existenz ruiniert ist. Und zwar radikal und unwiderruflich. Vor allem aber: Ich HABE NICHTS unrechtes getan! Nicht nur Justitia, auch Fortuna ist unberechenbar. Mir fällt da auch wieder der gute  Boethius mit seinem Glücksrad ein.

Die Rechtfertigung, sozusagen, warum  einen das Glück verlässt:

Was ist es denn nun eigentlich, du Menschenkind, das dich in Trauer und Kummer versenkt hat? Du willst, wie ich glaube, etwas Neues und Ungewohntes gesehen haben und du meinst, daß das Glück sich dir gegenüber verändert habe! Aber da irrst du! Das war immer seine Art und seine Natur. Es zeigte sich gegen dich so, wie es immer ist, das heißt eben: veränderlich! Dieselbe Natur hatte es schon damals, als es dir noch schmeichelte, als es dich noch mit seinen trügerischen Reizen umgaukelte! Du hast nun die beiden verschiedenen Gesichter der blinden Glücksgöttin gesehen, du hast sie völlig erkannt, während sie sich manchem andern gegenüber bisher noch verhüllt hält. Gefällt sie dir so, nun, so suche es ihr gleich zu thun und beklage dich nicht. Verabscheust du sie aber in ihrer Unbeständigkeit, so verachte und stoße von dir das Glück, das sein verderbliches Spiel mit dir treibt! Was dir jetzt Kummer verursacht, hätte dir vielmehr den Frieden der Seele bringen sollen, denn es ließ dich dasjenige im Stich, dessen Treue noch nie jemand sicher sein konnte. Kannst du denn ein vergängliches Glück für ein köstliches Gut halten und kann dir ein gegenwärtiges Glück teuer sein, dessen Bleiben dir nicht sicher ist und dessen Schwinden dir großen Kummer bringen muß? Ist denn das flüchtige Ding, das unser Wille nicht bei uns festhalten kann und das diejenigen, die es verläßt, unglücklich macht, etwas anderes, als ein Verkündiger künftigen Unheils?
Es genügt nicht, nur das anzuschauen, was man vor Augen hat: den Ausgang der Dinge muß die vorausblickende Vernunft berechnen und sie wird dann einsehen, daß die Unbeständigkeit und Veränderlichkeit des Glückes seinen Drohungen das Furchtbare und seinen Reizen das Begehrenswerte nimmt! Hast du dich aber einmal zum Sklaven des Glückes machen lassen, so mußt du auch mit Gleichmut alles tragen, was in seinem Machtgebiet geschieht. Denn wenn du dem Herrn, den du dir selber freiwillig gewählt hast, die Gesetze für sein Bleiben und Gehen vorschreiben wolltest, würdest du da nicht unrecht thun und dein Los, das du doch nicht ändern kannst, durch deine Ungeduld nur noch härter gestalten?! Wenn du die Segel deines Schiffes entfaltest, so stellst du sie nicht, wie dein Wille es verlangt, sondern wie die Richtung des Windes es erfordert. Wenn du den Feldern die Saat anvertraust, so mußt du in deinen Berechnungen auf fruchtbare und unfruchtbare Jahre gefaßt sein. Hast du also das Glück dir zum Herrn erwählt, so füge dich seinen Launen! Willst du es wagen, das rollende Rad im Lauf aufzuhalten? Wahrlich, du Thörichtster aller Sterblichen: wenn das Glück beständig wird, so hört es auf, Glück zu sein!

In kreisendem Schwung das Rad herumzuwirbeln, das ist meine Macht und mein ewiges Spiel, und Freude macht es mir, das Oberste zu unterst und das Unterste nach oben zu kehren! Steige in die Höhe, wenn du willst, aber unter der Bedingung, daß du es nicht für eine Ungerechtigkeit hältst, wenn du, sobald es mein Spiel so mit sich bringt, auch wieder herabstürzen mußt!

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