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Die Suppe lügt, und die Butter ranzt nicht

18. Mai 2008 von landlebenlust

So, da kommen ja ein paar Zufälle wunderbar miteinander in Zusammenhang.

1. Das Buch „Die Suppe lügt – Die schöne neue Welt des Essens“

Hab ich mir am Sa aus der Grabbelkiste gegriffen. Den Titel kannte ich schon, und auch um was es geht, das Thema beschäftigt einem schließlich. Es war eine vergnügliche bis grausige Abendlektüre - weil es sehr humorig geschrieben ist, wird einem nicht ganz so schlecht.

Grimm, ehemals Spiegel-Redakteur, recherchiert hervorragend, deckt auf und prangert an. Er zeigt, wie wir an der Nase herumgeführt werden und wie mächtig die Lebensmittelkonzerne schon sind. Hierzulande darf sich vieles hinter „Aroma“ verstecken, was seinen Ursprung im Labor hat, sogar „natürlich“ darf es sein, wenn es auch nur irgendwo in der Natur vorkommt (Sägespäne, Klärschlamm…)

In den USA ist die Kennzeichnungspflicht bisweilen besser: Künstliche Aromen müssen als solche auch erwähnt werden, vermeintlich geräucherte Produkte, die nur mit „flüssigem Rauch“ geduscht wurden, müssen einen Hinweis tragen. Das bereits erwähnte Saccharin musste in Amiland übrigens jahrelang folgenden Zusatz haben: „Die Verwendung dieses Produkts kann Ihrer Gesundheit schaden. Dieses Produkt enthält Saccharin, das in Tierversuchen Krebs ausgelöst hat.“

In Zukunft werde ich doch wieder etwas häufiger einen Blick auf den „Beipackzettel“ werfen, sprich auf die Liste der Inhaltsstoffe, und noch mehr von meinem Essen aus naturbelassenen Zutaten selbst zubereiten.

Dass am Erdbeerjoghurt nie auch nur eine Erdbeere vorbeigelaufen ist, weiss heutzutage fast jeder. Was für Igitts in Wurst und Fertiggerichte gemantscht werden, davon liest man ab und zu mal etwas in der Zeitung. Aber wer denkt Böses beim morgendlichen Butterhörnchen? Croissant, Bamberger?
Ich hab mich nur gewundert. Ich hatte wieder mal eins übrig, das lag dann ca. 2 Wochen im Büro und zuhause nochmal doppelt so lange. Ich backe aus alten Weissbrotresten, Baguette, Toast usw. des öfteren einen „Armen Ritter“ oder „Scheiterhaufen“ auch „Brotpudding“ oder „Kirschenplotzer“ genannt.

2. Das Wunder der nichtranzenden Butter mit dem Überaroma

Das eine Butterhörnchen, dass ich verwendet hatte, hat dem ganzen Auflauf (1/2 Weissbrot, 4 Scheiben Toast, 2 Brötchen, 1 Butterhörnchen) ein köstliches Butteraroma verliehen. Und die Frage, warum es eigentlich nicht schon längst ranzig geworden war, also den Weg der Natur gegangen ist, hat sich mir auch erst später gestellt. Irgendwie sind ja auch die legendären Danis Buttercookies unkaputtbar. Während selbstgemachtes Weihnachtsgebäck nach 2 Monaten ungeniessbar wird, weil es eben ranzt.

Ist das etwa garkeine Butter die da verwendet wird? Bäcker müssen ja ihre Inhaltsstoffe überhaupt nicht deklarieren. Essen wir statt Butter in dem Gebäck vielleicht Palmöl aus Indonesien mit Aroma aus Holzminden? Interessante Frage. Heute kam mir grad noch diese Meldung in die Finger:

3. Krank durch Butteraroma ?

Künstlicher Wirkstoff verursacht wohl Lungenkrankheit
Wien (ke). Diacetyl, ein Zusatzstoff künstlicher Butteraromen, hat nachweislich ernste und selbst tödliche Erkrankungen bei Arbeitnehmern verursacht, die diesem Stoff bei der Verarbeitung ausgesetzt waren. Es gibt eindeutige Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Diacetyl und der gefährlichen Lungenerkrankung „Bronchiolitis obliterans“, die heute in den USA allgemein auch als „Popcornarbeiterlunge“ bekannt ist.

Diacetyl ist der Hauptwirkstoff für das typische Butteraroma. Er kommt natürlicherweise in Äpfeln, Bohnen, Butter, Artischocken, schwarzen Johannisbeeren, Heidelbeeren, Blauschimmelkäse und Weizen vor. Bei einigen durch Mikroorganismen gesteuerten Prozessen entsteht es als Nebenprodukt. So können verschiedene Milchsäurebakterien und Hefepilze Diacetyl bilden und es kann als Fehlaroma im Verlauf der Bier- und Weinherstellung entstehen. Verfahrenstechnisch wird Diacetyl in der Regel mit Hilfe von nicht gentechnisch veränderten Milchsäurebakterien aus Zitronensäure oder Glukose gewonnen und als Aroma oder Butteraroma deklariert in verschiedenen Produkten eingesetzt; darunter auch in Margarine, Backwaren oder Popcorn sowie als Komponente in Aromamischungen.

Bei der Herstellung von Popcorn sei den zuständigen US-Behörden seit mehr als fünf Jahren bekannt, dass selbst kurzfristige Diacetyleinwirkungen die Lungenerkrankung „Bronchiolitis obliterans“ verursachen können – eine fortschreitende Erkrankung, die unheilbar ist und tödlich verläuft. Papiermasken, die als Schutzmittel verwendet werden, helfen nicht gegen die Folgen des Einatmens von Diacetyl. Die Internationale Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Café- und Genussmittelarbeiter-Gewerkschaften (IUL) fordert deshalb staatliche Gesundheitsbehörden weltweit auf, dringende Maßnahmen zu treffen, um die Verwendung des chemischen Aromastoffs Diacetyl zu überwachen.

Laut Internetlexikon „wikipedia“ wurde im Juli 2004 vor einem US-Gericht in Iowa eine Klage gegen die Symrise Inc. und eine Reihe anderer Butteraromahersteller erhoben. Wie der Spiegel berichtete, mussten die Hersteller des künstlichen Butteraromas bisher mehr als hundert Millionen Dollar an kranke Mitarbeiter zahlen. Offiziell wird der Tod eines Menschen auf die Krankheit zurückgeführt. Ein weiterer Fall ist aufgetreten, als bei einem Mann diese Krankheit diagnostiziert wurde, welcher regelmäßig und in großer Menge Mikrowellenpopcorn zu sich genommen hat, und es vermutet wird, dass er die giftigen Dämpfe eingeatmet hat.
Die jüngsten Untersuchungen in den USA beschäftigten sich vordergründig mit den Auswirkungen von Diacetyl auf Arbeitnehmern in der Mikrowellenpopcorn-Herstellung. Diese Substanz wird aber auch in großem Umfang bei Tiefkühlkost und Snackfood, Süßwaren, Backwaren, Milcherzeugnisse, Backmischungen und anderen Lebensmitteln verwendet. Diacetyl wird nur selten als Bestandteil von Lebensmitteln ausgewiesen, sondern zusammen mit anderen chemischen Stoffen unter der allgemeinen Bezeichnung „künstliche Aromastoffe“ angeführt.

Quelle: Allgemeine Bäckerzeitung ABZ online

Veröffentlicht in Lesen, Philosophie | Verschlagwortet mit Aromastoffe, Butter, Geschmack, künstliche Aromen, Kochen, Zusatzstoffe | Noch keine Kommentare

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